Buchcover Im Nebel auf dem Wasser gehen

Leseprobe aus "Im Nebel auf dem Wasser gehen" (2005)

"Jesus Tender, Safe and Extreme"

Diese Leseprobe befindet sich im Kapitel "Jesus Sicher" auf den Seiten 61-65

Kapitel 3 Die Wahrheit sagen,Teil zwei

Im letzten Kapitel haben wir uns mit Zweifel und Heilung beschäftigt; wenden wir uns nun zwei weiteren Bereichen zu, in denen die Wahrheit gesagt werden muss.

Die Bibel

In meinen vierzig Jahren als Christ habe ich die Bibel packend, langweilig, faszinierend, verwirrend, ärgerlich, relevant, heiter, unverdaulich, irrelevant, erleuchtend, deprimierend und kostbar gefunden. Es hat lange Phasen gegeben, in denen ich sie systematisch und, wie man so schön sagt, treu gelesen habe, und ebenso lange Phasen, in denen ich nur stückweise, unsortierte Vorstöße in verstreute Abschnitte machte, die in keinem erkennbaren Zusammenhang miteinander standen. Es hat Zeiten in meinem Leben gegeben, in denen ich überhaupt nicht in der Bibel gelesen habe, und andere, in denen eine Brechstange nötig gewesen wäre, um mich von meinen frommen Meditationen über die Bedeutungsschwere irgendeines Bindestrichs im dritten Buch Mose loszureißen. Was ich damit eigentlich sagen will, ist nur, dass ich ein menschliches Wesen bin, in vieler Hinsicht ein Kind, im schlechten wie im guten Sinn, und dass deshalb mein Umgang mit dem Wort Gottes weder so beständig noch so systematisch ist, wie er sein könnte. Dennoch gehört die Bibel zu meinem Leben und ich glaube, ich liebe sie. Sie hat mein Denken und Verhalten verändert und geformt und mich manchmal dazu veranlasst, auf verwirrende und in mindestens einem Fall auf schockierende und unerwartete Weise auf konkrete Situationen zu reagieren.

Unterweisung zur Seligkeit
Ich bin Gott (ewig) dankbar dafür, dass er seine Wahrheit durch die Filter der menschlichen Geister hindurchgebracht hat, die dieses großartige Buch hervorgebracht und übersetzt haben, und ich erkenne, dass ich als Christ in der freien westlichen Welt einen besonderen Vorzug darin habe, jederzeit alles vom ersten Buch Mose bis zur Offenbarung so einfach zur Hand nehmen zu können. Der Rat, den Paulus in seinem zweiten Brief an Timotheus gibt, kann nicht oft genug wiederholt werden:

Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.

„Von Gott eingegeben", wörtlich „von Gott geatmet", ist ein interessanter Ausdruck, finden Sie nicht? Was hat es mit dem Atem auf sich? Atem ist das Medium der Sprache, er ist lebenswichtig, er wird ständig frisch produziert, ist unsichtbar, immer in Bewegung, etwas, was man tief einsaugt, bevor man sich an ein wichtiges Vorhaben macht. In der Bibel wohnt, wirkt und lebt der Heilige Geist, sodass selbst Chaoten wie ich erfahren können, was es heißt, den Atem Gottes zu atmen und sich dadurch besser zu fühlen. Wenn Sie mich in die Ecke treiben und mir drohen würden, mich mit einem spitzen Stock zu pieksen, bis ich Ihnen sage, welche Teile der Bibel mir in vier Jahrzehnten am meisten beim Atmen geholfen haben, müsste ich sagen, dass die Evangelien und die Apostelgeschichte mir öfter, als ich zählen kann, mein geistliches Leben gerettet haben. Wenn mir die Realität meines Glaubens zu entgleiten scheint, kehre ich zurück zu der Welt, in der Jesus vor all diesen Jahren als Mensch zu Hause war. Ich ziehe mit ihm und seiner Mutter und seinen Jüngern durchs Land, schaue bei den Wundern zu, höre mir die Geschichten an, lausche den Predigten und sitze mit bei den Mahlzeiten. Es scheint niemanden zu stören, dass ich da bin. Im Gegenteil, ich fühle mich willkommen. Vor allem lasse ich einfach die Kraft und Persönlichkeit des Mannes, der Gott war, auf mich wirken; des Mannes, der mir unglaublicherweise über die Schulter schaut und diese faszinierenden, aber äußerst knapp gehaltenen Berichte über sein eigenes Wirken mit mir liest. Ich finde, das ist ein guter Platz für ihn, denn wenn ich das Buch zuklappe und mich umdrehe - ist er da.
Ich liebe die Apostelgeschichte; nicht zuletzt, weil sie eine packende Geschichte ist, ein actiongeladener Bericht über das Leben der frühen Gemeinde, geschrieben von einem Mann, der offensichtlich das Schreiben liebte und überdies leidenschaftlich inspiriert von seinem Thema war. Doktor Lukas wusste, dass zu einer Erzählung Details gehören, besonders als Hintergrund für übernatürliche Ereignisse.
Die folgende Anekdote aus dem achtundzwanzigsten Kapitel der Apostelgeschichte ist eine meiner liebsten. Sie folgt direkt auf Lukas' dramatische und noch detailreichere Schilderung des Schiffbruchs, der Paulus' Reise nach Rom unterbrach, nachdem er als römischer Bürger sein Recht beansprucht hatte, sich vor dem Kaiser zu rechtfertigen. Nachdem das Schiff auf einer Sandbank auf Grund gelaufen ist, bricht das Heck in Stücke und der befehlshabende Zenturio gibt neue Befehle aus. Wer schwimmen kann, soll über die Reling springen und an Land schwimmen, während die Nichtschwimmer Planken oder Schiffsteile benutzen sollen, um sich über Wasser zu halten, bis sie das Ufer erreichen. Auf diese Weise überleben alle Schiffsinsassen den Schiffbruch.

Und als wir gerettet waren, erfuhren wir, dass die Insel Malta hieß. Die Leute aber erwiesen uns nicht geringe Freundlichkeit, zündeten ein Feuer an und nahmen uns alle auf wegen des Regens, der über uns gekommen war, und wegen der Kälte. Als nun Paulus einen Haufen Reisig zusammenraffte und aufs Feuer legte, fuhr wegen der Hitze eine Schlange heraus und biss sich an seiner Hand fest. Als aber die Leute das Tier an seiner Hand hängen sahen, sprachen sie untereinander: Dieser Mensch muss ein Mörder sein, den die Göttin der Rache nicht leben lässt, obgleich er dem Meer entkommen ist. Er aber schlenkerte das Tier ins Feuer, und es widerfuhr ihm nichts Übles. Sie aber warteten, dass er anschwellen oder plötzlich tot umfallen würde. Als sie nun lange gewartet hatten und sahen, dass ihm nichts Schlimmes widerfuhr, änderten sie ihre Meinung und sprachen: Er ist ein Gott.

Ist das nicht großartig? Man sieht doch förmlich Paulus vor sich, wie immer hart am Arbeiten, die Haare und die Kleidung triefend nass nach dem Bad im Meer und dem peitschenden Regen, seine scharfen Gesichtszüge deutlich hervorgehoben im Widerschein der knisternden Flammen. Plötzlich merkt er, dass eine Giftschlange, durch das Feuer in Panik versetzt, wütend ihre Zähne in seinen weichen Handballen getrieben hat. Entsetzt verstummen die gastfreundlichen Inselbewohner und starren ihn an. Sie kennen sich mit ihren Schlangen aus. Untereinander flüsternd, warten sie darauf, dass das Gift seine tödliche und unumkehrbare Wirkung an diesem merkwürdigen, leidenschaftlichen, tüchtigen Mann tut. Doch zu ihrer Verblüffung schüttelt er das Geschöpf einfach ab und schleudert es mitten in die rote Glut des Feuers, wo es noch einmal zuckt und dann stirbt. Aus der Sicht dieser Inselbewohner verwandelte er sich innerhalb von Minuten von einem Mörder in einen Gott. Was das eine anging, waren sie nicht auf dem neuesten Stand; was das andere betraf, irrten sie sich.
Ich danke Gott für die Apostelgeschichte und für Geschichten wie diese. Sie erinnern mich daran, dass jemand, der wie Paulus sein Leben von ganzem Herzen Gott zur Verfügung stellt, so viele Abenteuer erleben wird, wie sich ein Mann oder eine Frau nur wünschen kann. Natürlich wird mein Abenteuer nicht dasselbe sein wie Ihres. Die Nachfolge Jesu bringt Abenteuer für Geist und Seele ebenso mit sich wie für den Leib. Sie können sich in einer zivilisierten oder unzivilisierten Umgebung ereignen, im Frieden oder im Krieg, im Supermarkt oder in den Slums, in Gefängnissen oder an öffentlichen Orten. Und mit der Verheißung des Abenteuers kommt die unvermeidliche Gewissheit von Gefahren, aber das war schon immer so. Das ist ein Teil der Kosten.

Alle Textrechte liegen beim Brendow Verlag. Abbildung hier mit freundlicher Genehmigung.




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