Buchcover Darky Green

Leseprobe aus "Darky Green" (2006)

"The Battle for Darky Green"

Diese Leseprobe befindet sich auf den Seiten 156 u. - 160 o.) und schildert einen Streit zwischen Tom und Beth aus der Vergangenheit.

Der andere, frühere Streit hatte sich ein Jahr zuvor zugetragen, als Tom zunehmend genervt war von Beths unerschütterlicher Gewohnheit, Zeit und Energie in die Probleme und Bedürfnisse andere zu stecken. Sie tat das unentwegt. Sie tat es einfach. Und sie tat es gründlich. Sie tat es mit einer Intensität, die bei jedem anderen Menschen den Argwohn geweckt hätte, dass durch diese Akte der Nächstenliebe ein unvermutetes Vermögen zu erlangen wäre. Nach Toms Ansicht tat sie es aus der irrigen Überzeugung, es gäbe tatsächlich ein universelles Gesetz, wonach andere Menschen immer genauso wichtig oder noch wichtiger wären als man selbst. Er war eifersüchtig. Er war so eifersüchtig, als wären ihre Liebe und ihr Mitgefühl begrenzt, sodass auch nur ein begrenzter Anteil davon für ihn übrig bliebe, aber Tom war ein Agnostiker, was seine eigenen emotionalen Überzeugungen anging. Eigentlich wollte er nicht jemand sein, der sich von solchen Dummheiten beeinflussen ließ.

Das Fass war übergelaufen, als er und Beth einen gemeinsamen Freund und Altersgenossen namens Eric Mosten besucht hatten, der in seinem Elternhaus bettlägerig war, nachdem sein altes Rückenproblem wiedergekehrt war. Die herzliche Zärtlichkeit, mit der Beth Eric begegnete, ging Tom unter die Haut, aber das Schlimmste, das absolut Schlimmste von allein war, wie sie mit den Fingern an seiner Bettdecke herumzupfte, als sie bei ihm saß. Fast so, dachte Tom, der innerlich wütete wie ein ohnmächtiges Kind, als wäre sie am liebsten zu ihm unter die Decke geschlüpft, um sich besser an ihn ankuscheln zu können.

Tage vergingen. Unfähig, offen darüber zu reden, weil er sehr gut wusste, dass sein Dämon völlig übergeschnappt war, köchelte er innerlich in einem spirituellen grünen Sud der Eifersucht vor sich hin und legte sich insgeheim eine treffende Formulierung zurecht, die er im richtigen Moment anwenden konnte. Er studierte seinen Spruch ein und fieberte mit aller Wonne und aller Furcht eines Amateurschauspielers dem Moment entgegen, in dem er ihn aufsagen durfte.
Der falsche Moment (denn ein richtiger konnte natürlich nie kommen) als sie eines Abends zusammen in Beths Wohnung Vor denn Fernseher saßen. Es gab eine Reportage über Prostitution. Manche der Mädchen, die für die Sendung interviewt wurden, waren jünger als Beth. Eine von ihnen erzählte, wie sie als JugendliChef Von einem Bett ins andere gehüpft war und sich irgendwann gesagt hatte, wenn sie das Sowieso tat, konnte sie sich auch genauso gut dafür bezahlen lassen.
"Uh! Grauenhaft." Schaudernd zog Beth ihre Knie unters Kinn und schlang die Anne um ihre Beine. "Mir wird ganz schlecht, wenn ich daran denke, so zu leben. Ich kann ja verstehen, was sie sagen, aber ich kann mir wirklich nicht vorstellen, mich so wahllos allen möglichen Leuten an den Hals zu werfen."
Grinsend hielt der Dämon die Tafel mit dem Stichwort hoch. Tom las sie gehorsam.
"Aber du kannst nicht bestreiten, dass du auch promiskuitiv bist, oder, Beth" Im ersten Moment legte sie nur den Kopf ein paar Grad zur Seite. Dann griff sie ganz, ganz langsam nach unten, um die Fernbedienung von einem Kissen auf dem Fußhoden aufzuheben. Sie richtete sie auf den Fernseher, drückte auf die Stand-by-Taste und legte sie vorsichtig wieder zurück auf das Kissen. In der fast völligen Stille, die nun folgte, konnten sie dieselben Stimmen aus derselben Sendung ganz leise aus der Wohnung der netten Mrs. Bentley über ihnen zu sich hinunterwehen hören.

"Entschuldigung - was hast du gerade gesagt?"
Der gelbbäuchige Dämon duckte sich feige und flog vor Schrecken davon, als er den Tonfall eisiger Höflichkeit in Beths Frage hörte. Tom war auf sich gestellt. Ursprünglich hatte er sich in seiner Fantasie vorgestellt, seine Beschwerde elegant in eine Gesprächslücke hineinzuschmuggeln. Jetzt kam ihm der Gedanke, dass er sich vielleicht in seinem Alter allmählich der Gefahr bewusst sein sollte, Fantasie mit Wirklichkeit zu verwechseln.
Er versuchte vergeblich zu schlucken. Also wirklich! Wo war der Speichel, wenn man ihn brauchte?
"Nein, ich meinte natürlich nicht, dass du promiskuitiv bist."
Sie schaute ihn unverwandt an.
"Also, als du eben sagtest, dass ich promiskuitiv bin, meintest du eigentlich, dass ich nicht promiskuitiv bin?"
"Ah, nicht promiskuitiv - nicht in diesem Sinne, nein."
"Dann hast du also das Wort promiskuitiv in irgendeinem Sinne verwendet, in dem es nicht promiskuitiv, bedeutet"
"Also, was ich - was ich eigentlich sagen wollte, war, dass du eine promiskuitive Problemlöserin bist."

Das war es dann. Na großartig! Er war heraus, der sorgfältig formulierte, treffende Satz, der ein konstruktives Gespräch darüber einleiten würde, dass Beth einen Hauch mehr Zurückhaltung in ihrer Reaktion auf das erschütternde Schicksal anderer zeigen musste. Als er die Worte aus seinem Mund kommen hörte, kam es ihm vor, als hätte er sich gerade in einem dieser geschickt beleuchteten Läden, in denen alles ganz toll aussieht, etwas gekauft und dann, als er es zu Hause auspackte, festgestellt, dass es nichts als ein bunt beinaltes Stück Holz mit ein paar Löchern darin war. Zum Henker mit diesem blöden Satz!
Tom bekam an jenem Abend, was er verdiente, bis zum letzten Krümel, und er schöpfte nicht die geringste Befriedigung aus der Erkenntnis, dass zumindest für den Augenblick eine Person tatsächlich aus dem Katalog derer gestrichen war, deren Probleme Beth unbedingt lösen wollte.
Die Sache mit der Pflanze war aus einer ähnlichen Wurzel gewachsen, aber sie trieb ganz andere Blüten. Toms absichtlich abfällive Bemerkung entsprang derselben kindischen Panik davor, dass Beth sich leidenschaftlich für etwas begeisterte, das weder er selbst war noch direkt mit ihm zu tun hatte. Im ersten Moment war sie wütend, dann brach sie in Tränenströme aus und verschwand für eine Stunde in ihrem Zimmer, um dann, immer noch schniefend, wieder herauszukommen und sich unter den Augen des Schurken in diesem Stück, der sich innerlich so kalt und so gequält und elend fühlte wie noch nie in seinem Leben, eine Tasse Tee zu machen.
Später, als sie sich neben dem zutiefst reumütigen Toni auf dem Sofa zusammenrollte, hatte sie versucht, es ihm zu erklären.
»Ich weiß ja, dass du das nur gesagt hast, weil du Angst bekommeng hast, Tom. Aber weißt du, seit ich gestern mit meiner Pflanze nach Hause gekommen hin und gemerkt habe - na ja, wie wunderschön sie ist, hatte ich immerzu durch und durch so ein kribbelndes Gefühl, dass alles mögliche Neue passieren könnte. Ich weiß, das hört sich albern an, aber es ist so. Irgendetwas in mir, was bisher ge hat, hat die Augen aufgemacht und war - einfach begeistert davon, dass es noch so viele gute Dinge zu entdecken gibt. Ich konnte es gar nicht abwarten, bis du kommst, um dir davon zu erzählen. Ich war so aufgeregt. Nicht nur meinetwegen, sondern unseretwegen. Und als du dann über all das einen Eimer kaltes Wasser geschüttet hast, da habe ich mich gefühlt - ich weiß nicht - wie ein kleines Mädchen, das von einer Mauer springt und denkt, sein Papa fängt es auf, und dann merkt, dass er es nicht getan hat. Das hat mich richtig fertig.

„Ich will nicht,Tom. Ich will nicht, dass wir wie Kinder sind, du und ich. Nicht so. Nicht dumm. Lass uns nicht kindisch sein. Ich will, dass wir Erwachsene sind."
»Ich auch«, hatte Tom gesagt. Er meinte es auch so, doch zugleich war er sich schmerzlich bewusst, dass seine guten Vorsitze seiner Reife noch für einige Zeit ein Stück voraus sein würden. "Ich liebe dich, Beth. Das weißt du doch, oder?"
"Ja", erwiderte sie ohne Zögern. "Und ich liebe dich. Ich werde dich immer lieben."

Alle Textrechte liegen beim Brendow Verlag. Abbildung hier mit freundlicher Genehmigung.




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