Buchcover Tagebuch eines angeschlagenen Chaoten: Getragen in schweren Zeiten

Leseprobe aus "Tagebuch eines angeschlagenen Chaoten: Getragen in schweren Zeiten" (2015)

Aus einem Bericht über Reiseerlebnisse in Deutschland:
Schließlich schaffte ich es doch noch mehr oder weniger vollständig bekleidet und gegürtet an Bord meines Flugzeugs, aber am Flughafen in Hamburg erwartete mich eine letzte selbst verursachte Demütigung. Nachdem ich aus dem Flugzeug ausgestiegen war folge ich meinen Mitpassagieren zur Gepäckabholung und schaute mich nach irgendeinem Ort um, an dem ich meine müden Knochen ein wenige entspannen könnte, bis das Gepäckkarussell sich zu drehen begänne, um die Koffer und Taschen zu ihren Eigentümern zu befördern. Warum setzte ich mich ausgerechnet auf das Karussell selbst, obwohl doch jede Menge Schilder herumhingen, die mich darauf aufmerksam hätten machen müssen, dass ich das nicht tun sollte, weil es eine ganz schlechte Idee war?
Ganz einfach. Ich bin ein erfahrender Reisender, der (im Gegensatz zu all den faden, unerfahrenen Reisenden) genau weiß, dass Gepäckkarussells sich nie in Bewegung setzen, ohne dass einige Sekunden zuvor eine laute Warnglocke oder ein Summer ertönt. Es gibt freilich eine Ausnahme von dieser Regel. Sie gilt nämlich nicht in Hamburg. Zumindest tat sie das nicht, als ich das letzte Mal dort war.
Drei Deutsche, von denen die größte und stärkste eine Frau war, waren nötig, um meinen hilflos mit Armen und Beinen rudernden Körper von dem Gepäckkarussell zu retten, dass ich völlig unangekündigt und überraschend abrupt in Bewegung gesetzt hatte. Mag sein, dass ich in Christus verborgen bin, aber das meiste von mir ist für den Rest der Welt immer noch deutlich sichtbar. Wenn das Leben wie ein Karussell ist, wie es in einem Lied heißt, verzichte ich lieber darauf.
Im gleichen Stil ging die Tour weiter. Ich merkte, dass ich meine Tabletten vergessen hatte, und konnte sie nur durch die Hilfe eines alten Freundes ersetzen. Der letzte Freudenquell war die Nachricht von zu Hause, dass bei uns ein Einbrecher eingestiegen war, während ich weg war, und Bridget nun woanders von Freunden versorgt wurde.
Trotz alledem genossen Christian und ich wie immer unsere gemeinsame Zeit und die Vortragsabende schienen gut zu laufen. Wir Christen legen ja immer gern Lippenbekenntnisse zu dem biblischen Gedanken ab, dass Gottes Kraft in den schwachen mächtig sei, aber wenn wir das tatsächlich und er Praxis erleben - nun, dann kann einem das schon ein bisschen zu viel werden, findet ihr nicht?



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